Zahlen und Fakten der Fleischindustrie – von Rumänen, Bulgaren und Matrosen

Kommentar von Wolfgang Große-Westermann

Die deutsche Fleischindustrie hat in ihrem Streben nach Umsatz und Profit die Grenzen der Kapazität wohl längst noch nicht erreicht. Die Grenzen von Moral und Ethik sind allerdings schon lange überschritten. Das Corona-Virus hat jüngst die Missstände der dort arbeitenden ausländischen Billig-Arbeitskräfte offen gelegt.

Es herrscht in der Fleischindustrie das Prinzip der maximalen Ausnutzung, wenn man das Wort Ausbeutung nicht benutzen möchte. Ausländische Arbeitnehmer aus Polen, Rumänien oder Bulgarien, die unter extremen vom Zeitdruck beherrschten Umständen dort arbeiten, und unter kostengünstigsten Bedingungen wohnen.

Das Tier ist schon längst kein Mitgeschöpf mehr, sondern ein Produkt, dass zur Erzeugung des möglichst kostengünstigem Endprodukt Fleisch industrialisiert worden ist.

In Deutschem Tierschutzgesetz ist unter § 9 verankert: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen

Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuführen, insbesondere nicht aus Gründen der Arbeits- Zeit-und Kostenersparnis.“

Die Tierschutz-Schlachtverordnung schreibt vor der Tötung eine Betäubung vor: „ … so zu betäuben, dass Tiere unter Vermeidung von Schmerzen in einen Zustand der Empfindungslosigkeit versetzt werden.“

Die Betäubungsmechanismen in der Fleischindustrie sind ausgelegt auf Schnelligkeit und Kostengünstigkeit. Die Arbeiter stehen unter Akkord-Druck. Keiner der diversen Betäubungsanlagen für die jeweiligen Tierarten arbeitet fehlerfrei und ohne Ausnahmen schmerzlos.

Eine technische Überwachung der Gerätschaften durch den TÜV findet nicht statt. Grund: es sind keine Menschen gefährdet.

Schweine werden mit CO2-Gas betäubt. Eine Betäubungsart, die dem „Deutschen Tierschutzgesetz“ widerspricht, jedoch trotzdem von der EU zugelassen wurde. Grund: wirtschaftliche Aspekte.

Das niedrige Lohn-Niveau der Arbeitnehmer wird durch Akkordarbeit aufgebessert. Mit der Folge dass unzureichende oder fehlerhafte Betäubungen oft nicht erkannt werden, oder das der eigentliche Tötungsvorgang nicht augenblicklich zum Tode führt.

Bei der Schweineschlachtung spricht man bei Mitarbeitern der Fleischindustrie von den sogenannten „Matrosen“. Gemeint sind Schweine, die zwar betäubt worden sind, wo der Schnitt durch die Kehle allerdings nicht korrekt ausgeführt wurde und nicht zum Tode führte. Diese Tiere landen anschließend bei Bewusstsein in der Brühanlage. Festzustellen erst beim anschließenden Produktionsabschnitt des Ausnehmens, wenn noch Wasser in der Lunge entdeckt wird.

Die Anzahl der fehlerhaften Betäubungen bei Schweinen wird von Aufsichtsbehörden auf rund 500.000 im Jahr geschätzt.


Die Fleischindustrie gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der deutschen Konsumindustrie. Der Jahresumsatz liegt bei ca. 42,5 Milliarden Euro. Der umsatzstärkste Fleischverarbeiter ist mit deutlichem Abstand Tönnies, mit einem Jahresumsatz von ca. 6,9 Milliarden Euro und einem Schlachtaufkommen von 17 Millionen Schweinen pro Jahr.

Im Jahr 2019 waren in der Fleischindustrie ca. 190.000 Personen beschäftigt. Die Zahl der ausländischen Mitarbeiter liegt bei ca. 54.000 Arbeitnehmern. Deren Anteil hat sich seit 2008 mehr als verdreifacht – von rund 9 Prozent auf jetzt fast 30 Prozent.

Getötete Tiere 2019
Insgesamt 763 Millionen Tiere:
55 Millionen Schweine
3,4 Millionen Rinder
621 Millionen Masthühner
32 Millionen Legehennen
34 Millionen Puten
16 Millionen Enten
1,1 Millionen Schafe
594.000 Gänse
21.000 Ziegen
4.700 Pferde

Fleischerzeugnis 2019
Insgesamt 7,95 Millionen Tonnen
5,22 Millionen Tonnen Schweinefleisch
1,58 Millionen Tonnen Geflügelfleisch
1,12 Millionen Tonnen Rindfleisch
240.000 Tonnen Schafe, Ziegen, Pferde

Gehaltene Tiere in deutschen Stallungen zum Stichtag 3.05.2020
25 Millionen Schweine
11,4 Millionen Rinder
1,5 Millionen Schafe
130.000 Ziegen
67 Millionen Masthühner
52 Millionen Legehennen
12 Millionen Truthühner
2,3 Millionen Enten
330.000 Gänse

 

Foto: © industrieblick, AdobeStock

 

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