War es ein Fehler beim neuerlichen Lockdown die Schulen nicht zu schließen?

Der erste, große Lockdown war erfolgreich.

Wenngleich die Infektionszahlen längst nicht so hoch waren wie jetzt, konnten wir in kürzester Zeit eine Kehrtwende herbeiführen. Damals haben wir nahezu alles geschlossen. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf den Kontakten im Freizeitbereich.

Am 6. Tag des diesmaligen Lockdowns zeichnet sich keine Trendwende ab. Ganz im Gegenteil, wir erreichen Rekordwerte bei Neuinfektionen.

Es muss daher einmal die Frage gestellt werden:

Haben wir fast alles geschlossen, nur die eigentlichen Infektionsherde nicht, wie Schule und Arbeitsplatz ?

Immer mehr Schüler und Lehrer haben sich zuletzt mit dem Corona-Virus infiziert. Das zeigen Statistiken aus etlichen Bundesländern in ganz Deutschland.

Konkrete Zahlen zu schulischen Infektionen bundesweit liegen nicht vor, jedoch zu Quarantäne-Maßnahmen. In Hessen z.B. waren am 3. November fast 21.300 Schüler in Quarantäne (2,8 %). Bei den Lehrkräften waren 62.500 betroffen (3,7 %).

Die Kultusminister haben immer wieder betont, Infektionen würden zwar in die Schulen hineingetragen, fänden aber nicht in den Schulen selber statt. Diese Angabe stützt sich auf eine Studie aus Sachsen mit mehr als 2.000 Oberschülern und 500 Lehrern. Diese ergab, dass sich nur 14 von 2.338 Blutproben auf Antikörper testen ließen. Das ergab tatsächlich nur eine Quote von 0,6 Prozent.  Allerdings fand diese Studie im Oktober statt, vor der neuerlichen Infektionswelle.

Internationale aktuelle Studien kommen zu einem ganz anderen Ergebnis. In Australien hatte man sich intensiv und detailliert mit dem Infektionsgeschehen speziell in Schulen beschäftigt, und kam dabei zu dem Ergebnis, dass steigende Infektionszahlen allgemein auch zu vermehrten Infektionen in Schulen führen. Kinder können das Virus genau so übertragen, wie Erwachsene auch, wenngleich sie selber meist ohne Symptome bleiben.

Laut Empfehlungen des RKI soll schon bei einer Inzidenz von 50 eine Teilung der Klassen stattfinden. Die meisten Bundesländer setzen diese Maßnahme allerdings nicht um.

Offenkundig, um zu demonstrieren, wie sicher die Schulen seien, setzen Kultusminister die Zahl der Infektionen immer wieder in Relation zur Gesamtzahl der Schüler. Im jüngsten Beschluss der Kultusministerkonferenz heißt es: „Die Infektionszahlen in den Schulen sind im Promillebereich. Schulen sind damit im Vergleich zur Außenwelt als sichere Orte anzusehen“.

Diese Darstellung ist allerdings überhaupt nicht aussagekräftig. Auch in der Gesamtbevölkerung, wo durchaus strengere Einschränkungen und Schließungen herrschen, bewegt sich die Infektionsquote in diesem Minimalbereich. Bei den Neuinfektionen liegt sie bei 0,01 Prozent, bei den aktuellen Gesamtinfektionen bei 0,24 Prozent. Die Zahl der infizierten Schüler liegt durchweg über diesem Niveau.

Verlässliche und konkrete Zahlen liegen allerdings nicht vor, die Kontaktverfolgung bei Schülern gestaltet sich äußerst schwierig. Forderungen nach einem Aufteilen der Klassen lehnte die Kultusministerkonferenz bisher ab. Der normale Schuluntericht solle so lange wie möglich fortgesetzt werden.

Foto: © Drivepix, AdobeStock

1 Kommentar
  1. Jens Christian Kneißel

    Wenn Schülerinnen und Schüler angeblich nicht infektiös sind, warum sollen Schulen dann umfangreiche Hygienekonzepte umsetzen?

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