Neue Erkenntnisse im Fall “Schatzi” – Fotos von allen Tauben gesichtet

… Fortsetzung folgt – Wir bleiben für Sie d’ran!

 


05.03.2020

Walter Rosenhövel hat die Fotos
von allen toten Tauben gesichtet

Der Vorsitzende der “Lippetaler Reisevereinigung” Walter Rosenhövel, seinerzeit zu dem Fund der Plastiktüte mit den Tauben nicht herbeigerufen (HAMM.NEWS berichtete), konnte nun nach eine zeitlichen Verzögerung die Fotos aller toten Tauben begutachten.

Er ist auch jetzt noch sichtlich schockiert und auch wütend über diesen außergewöhnlichen Vorfall.

“Ich habe jetzt schon seit 60 Jahren Tauben, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.” – Walter Rosenhövel

Nach seinen Eindrücken aus den vorliegenden Fotos scheint sich nun in der Tat ein Drama abgespielt zu haben. Der Zustand der Tauben lässt darauf schließen, das sie nachdem man ihnen das beringte Bein abgeschnitten oder herausgerissen hat, lebend in die Plastiktüte gesteckt worden sind. Nach den Vermutungen von W. Rosenhövel sind sie anschließend verblutet und/oder erstickt. Das “Schatzi” dieses Verbrechen überlebt hat, liegt ganz einfach an dem Zufall dass sie ganz oben lag, das Bein “nur” abgeschnitten worden ist, aus diesem Grunde nicht verblutete und gleichzeitig noch ein wenig Luft bekommen hat. Bei drei Tauben ist das Bein mit solch einer Gewalt herausgerissen worden, das ein großes Loch im Körper entstanden ist.

Es sind Tauben verschiedener Farben. Sie waren alle, zumindest vor diesem Frevel, in einem normalen körperlichen Zustand. W. Rosenhövel schließt daraus, dass es sich bei dem ursprünglichen Besitzer der Tiere um einen Liebhaberzüchter handeln muss, oder zumindest jemanden mit fundierter Fachkenntnis.

Da “Schatzi” schon eine Mauser hinter sich hatte, kategoriert er diese Tauben als “Spätsommer-Junge”. Was bedeutet, das sie sind in den Monaten August, September oder Oktober letzten Jahres geboren worden sind.

Den Täter vermutet er im engsten Kreis der Taubenzüchter. Einem Züchter selber traue er diese ungeheuerliche Tat nicht zu. In Frage käme der Nachbar eines Züchters, oder der Pachtwechsel in einem Schrebergarten, wo der Vorgänger Tauben gehalten hat.

Was sich allen Vermutungen entzieht und für W. Rosenhövel außer Frage steht:

“Der Täter muss einen regelrechten Hass auf Tauben gehabt haben.”

 



22.02.2020 – Hintergrund

Die Sportart von „Schatzi“

Taubenzüchter im Fokus von Tierschützern

Der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter wurde 1884 gegründet. Die Zeit mit den höchsten Mitgliederzahlen waren die 60er und 70er Jahre mit 100.000 Züchtern bundesweit. Mittlerweile ist die Szene deutlich am schrumpfen. In ganz Deutschland betreiben nur noch 30.000 Züchter ihr Hobby, davon allein in NRW 10.000.

Waren die Tiere im ersten Weltkrieg noch wichtige Nachrichtenüberträger, wird das Brieftaubenwesen in der heutigen Zeit nur noch als Hobby betrieben. Durch Zucht und Training erhalten die Züchter nach Aussage des Bundesverbandes „ein einzigartiges Wesen und Kulturgut“.

Schon seit geraumer Zeit wird die Brieftaubenzucht, und der damit verbundene „Taubensport“, kritisch von Tierschützern beobachtet. Mittlerweile scheinen die Fronten sogar verhärtet zu sein. Nach Ausführungen des Bundesverbandes der Taubenzüchter scheint mittlerweile ein Dialog nicht mehr möglich. Zwei in ihrer Grundaussage vollkommen verschiedene Einschätzungen des Taubensports prallen aufeinander. Sprechen die Taubenzüchter von einem „liebevollen Umgang“ mit den Tieren, deklarieren Tierschützer die Haltung und die Nutzung der Tiere als tierschutzwidrig.

Allen voran PETA, die ein grundsätzliches Verbot des Brieftaubensports fordern. Sie beziehen sich dabei auf zwei im Tierschutzgesetz verankerte Paragraphen. In § 1 (TierSchG) ist geregelt, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. § 3 Nr. 1 TierSchG verbietet es „einem Tier außer in Notfällen Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder seine Kräfte übersteigen.“

Die Praxis des Taubensports scheint dagegen zu sprechen. PETA kritisiert, dass die Leistung der Tiere eindeutig im Vordergrund steht. Tauben, die ihre Leistung nicht mehr erbringen, würden von Züchtern „selektiert“ und getötet. Das Töten geschieht anscheinend immer noch weit verbreitet bei vollem Bewusstsein mittels Langziehen des Halses und Umdrehen des Kopfes mit einem anschließendem Abreißen des Kopfes (vgl. PeTA-VideoACHTUNG: Das Video zeigt tote Tiere und Gewalt gegen Tiere!).

Stark kritisiert werden auch die eigentlichen Wettflüge. PETA rechnet mit einer Verlustquote von rund 50 %. Die Taubenzüchter würden eine Quote von bis zu 25 % zugestehen. Diese Tiere würden durch Erschöpfung oder an Verletzungen sterben.

Der Tierschutzverband fordert daher, dass der Brieftaubensport nicht wie gefordert immaterielles UNESCO Kulturerbe werden darf.

In ein ähnliches Horn stößt auch der Deutsche Tierschutzbund. Bemängelt werden auch hier Haltung, Zucht und Wettbewerbsflüge. Etliche Punkte werden detailliert zur Kritik gestellt.

Schon bei Jungtieren findet eine gesetzeswidrige Leistungsselektion durch Tötung statt.

Zur Erzielung besserer Flugleistungen werden Paare oder Elterntiere von ihren Nachkommen getrennt

Oft werden Tauben unzureichend auf Wettflüge vorbereitet. Es gibt keine Verpflichtung für Züchter an Trainingsflügen teilzunehmen.

Die Organisation und Durchführung der Wettkämpfe sind ein gravierendes Problem. Der Transport der Tiere ist mit Stress verbunden. Es kommt immer wieder zu Risiko-Starts auch bei schlechten Wetterprognosen. Die Flüge sind zu lang oder sogar Übersee.

Der Deutsche Tierschutzbund hat auch daher unter diesem Hintergrund einen Forderungskatalog erstellt, in dem die Einhaltung des Tierschutzgesetzes und entsprechende Kontrollen durch vollziehende Behörden gefordert wird.

Zu dem aktuellen Fall äußern sich alle Parteien in einer Stellungnahme.

Verband Deutscher Brieftaubenzüchter:
„Wir können uns nicht vorstellen dass der Täter ein Züchter war. Ein Züchter kümmert sich 365 Tage im Jahr mehrere Stunden am Tag liebevoll um seine Tiere. Die Suche nach dem Täter ist allerdings erst einmal zweitrangig. Der Vorfall zeigt, dass Tierschutzorganisationen und Brieftaubenzüchter ein gemeinsames Ziel haben: Das Wohlergehen der Brieftauben.“

PETA:
„Der Fall in Hamm ist sehr grausam, spiegelt jedoch das Töten von nicht leistungsfähigen Tauben wieder. Zucht und Sport von Tauben muss endlich verboten werden.“

Deutscher Tierschutzbund:
„Die Geschehnisse in Hamm sind natürlich extrem erschreckend. Denkbar ist, dass mit den Beinen auch die Ringe entfernt werden sollten, um jede Spur zu einem Züchter zu vertuschen. Doch auch wenn Tauben für Züchter oftmals nur einen geringen Wert haben, ist dieser Fall in dem Ausmaß seiner Brutalität doch wohl eher ein Einzelfall. Wir hoffen auf eine Aufklärung. Tierquälern droht eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

 


 

22.02.2020 – Kommentar von Wolfgang Große-Westermann

Zwei Schritte zurück

Wir Menschen unterteilen Tiere je nach Bedarf in unterschiedliche Gruppen. Haustiere, Nutztiere, Wildtiere, oder auch in seltenen Fällen als Sportgerät.

Unsere Taube war beheimatet in einer Umgebung, wo sie zwar als Haustier gehalten wurde, aber als Sportgerät benutzt wurde.Ganz egal ob der Täter ein Züchter war, oder sich lediglich im Randbereich dieser Szene aufgehalten hat.

Vielleicht sollte man diesen Vorfall einmal zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, ob man in dem Brieftaubensport nicht zwei Schritte zurück gehen sollte.

Einen Schritt zurück bis zur Trennlinie Haustier / Sportgerät.
Und noch einen zurück bis zum Haustier.

So dass alle anderen „Schatzi“ nicht mehr ein Sportgerät sind, was man als Haustier hält. Sondern ein Haustier, was man für sportliche Zwecke einsetzt.

 


 

20.02.2020 – Sachstand

Gute Nachricht nach Tauben-Drama:
“Schatzi” geht es gut

Nach dem Drama um den Fund von 11 Tauben in einem Futtersack aus Plastik in Hamm-Heessen, und dem anschließenden kurzen aber heftigen Aufruhr in den Medien, gibt es jetzt wieder eine positive Meldung.

Der einzigen überlebenden Taube, der ebenfalls das beringte Bein abgeschnitten wurde, geht es gut. Sie lebt aktuell in einer Pflegestelle, zugehörig dem “Stadttauben-Projekt Hamm”, Vorsitzende ist Frau Jutta Haschemi-Röben. Nach ihrer Auskunft ist der Gesundheitszustand der Taube bis auf das immer noch verbundene Bein gut. Der weitere Lebensweg des Tieres hängt allerdings von dem Genesungsprozess und dem anschließendem Gesundheitszustand ab. Man hatte Frau Haschemi-Röben damals hinzugezogen, als man die stark verletzte und traumatisierte Taube lebend zwischen den restlichen toten Tieren entdeckt hatte. Nach erster Einschätzung war das Tier noch jung und in guter körperlicher Verfassung.

Taubenzüchter wurden nicht gefragt

Nicht hinzugezogen wurde Walter Rosenhövel, Vorsitzender der Hammer Taubenzüchter und Lippetaler Reisevereinigung. Was er auch heute noch stark bedauert.

“Man hätte an dem körperlichen Zustand der Taube eindeutige Rückschlüsse auf Herkunft und Verwendungszweck schließen können”.

Wobei man wissen sollte, dass seit geraumer Zeit heftige Kritik von Seiten großer Tierschutzverbände auf die Taubenzüchter aufprallt (ausführlicher Hintergrund-Bericht siehe unten).

Kriminalistische Spurensuche

Selbst die Futtertüte kannte er lediglich aus einem Zeitungsfoto. Nicht nur, dass von den Hammer Taubenzüchtern eine Belohnung ausgesetzt wurde: Walter Rosenhövel begab sich anschließend selbst auf kriminalistische Spurensuche. Es handelt sich um ein Diätfutter vom Hersteller “Beyer”. Exakt um den Artikel “Beyer-Futter-Diät-23”. Ein sehr selten verkauftes Spezialfutter. Der hauseigene Händler von W. Rosenhövel hat es zum letzten Mal 2017 verkauft. Verwendet wird es ausschließlich für weibliche Tauben, die noch auf Reise gehen, oder sich gerade in einer Ruhephase befinden.

Walter Rosenhövel betont, das die Suche nach dem Täter wohl ausschließlich auf Vermutungen basieren wird. Werden Brieftauben selektiert, also quasi ausgemustert, geschieht dieses in aller Regel über das Brechen des Genicks mit anschließendem Abriss des Kopfes. Anschließend werden sie über den Hausmüll entsorgt, vergraben oder vom Züchter selber als Nahrungsmittel verwendet.

Der Fund dieser Tauben ist höchst ungewöhnlich

Er vermutet daher den Täter nicht im direkten Kreis der noch aktiven Taubenzüchter, sondern eher in einem Randbereich. Wobei man wieder bei Vermutungen ankommt. Möglich wäre nach Einschätzung von W. Rosenhövel ein ehemaliger Züchter, der sich jetzt seines Taubenbestandes entledigte, oder ein immer wiederkehrender Streitfall zwischen Züchter und Nachbarn, oder sogar innerhalb der Familie. Einem fachkundigen Experten und passioniertem Züchter traue er dieses Verhalten nicht zu.

Hat sich das ganze Drama in Hamm oder der näheren Umgebung abgespielt, ist der mögliche Tatort im überschaubaren Rahmen. In der Region Hamm/Lippe und Lippetal gibt es jeweils nur noch 60 Züchter.

 


 

 

 

Foto: © Jutta Haschemi-Röben

Kommentieren

Veranstaltungstipps

Sa 26

Hans Blossey – Hamm von oben

5. September - 1. November
Sa 26

Macht und Pracht – Bauten im Hammer Behördenviertel

26. September @ 14:00 - 16:00 CEST
Sa 26

Nachtfrequenz20 – Nacht der Jugendkultur

26. September @ 15:00 - 27. September @ 12:00 CEST
Sa 26

Nachtschicht auf Maximilian

26. September @ 17:00 - 19:00 CEST
Sa 26

nachtfrequenz20 – Open Stage

26. September @ 18:00 CEST

Aktuelle Beiträge

Nach jetzigem Kenntnisstand wird es in Hamm vorerst keinen “Lockdown” geben
25. September 2020
Aktueller Corona-Stand vom 25.09.2020
25. September 2020
RKI sieht trotz lokaler Hotspots die Corona-Gesamtlage als entspannt an
25. September 2020
Zwei Jahre Zimmertheater Hamm – Das vermeintlich kleinste Theater der Welt im Martin-Luther-Viertel
25. September 2020
NRW-Gesundheitsminister Laumann will strengere Regeln statt einem Lockdown
24. September 2020

Wir möchten Sie über aktuelle Beiträge per Push-Nachricht informieren.