Security neben der Matraze? – Nordrhein-Westfalen erlässt strenge Auflagen zur Prostitution

Das Corona-Virus hat neben viel Unheil auch etliche positive und erstaunliche Aspekte hervorgerufen.

Kurzzeitig hat es unsere Autobahnen leerer und unsere Luft sauberer gemacht. Es hat Licht in das Dunkel von üblen Machenschaften in der Fleischindustrie gebracht. Und nun führt es auch dazu, das man erstmals über Hygiene in dem Gewerbe der Prostitution debattiert.

Nachdem das Oberverwaltungsgericht Münster vor einer Woche das Verbot der Prostitution gekippt hat, hat die Landesregierung nun mit der „Hygiene-Anlage zur Corona-Schutzverordnung für Sexarbeiter und Kunden“ jetzt strenge Auflagen eingeführt.

In keinem anderen Bundesland wie NRW sind so viele offizielle Prostituierte registriert. Demnach sind in unserem Lande rund 9.300 Prostituierte in verschieden Einrichtungen tätig. Die nun ihr Home-Office verlassen und in verschiedensten Etablissements wieder ihren Mann stehen können.

Allerdings unter strengen Auflagen, die einer gewissen Komik nicht entbehren:

  • Es dürfen nur Einzelkontakte angeboten werden.
  • Andere Personen dürfen sich während der „Dienstleistung“ nicht im Raum befinden.
  • Die „Dienstleistung“ als solches ist von Prostituierte und Kunde mit einer Mundmaske durchzuführen.
  • Außerhalb dieser „Dienstleistung“ ist ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.
  • Die Kontaktdaten des Kunden sollen vom Bordellbetreiber 4 Wochen „vertraulich“ aufbewahrt werden.
  • Prostituierte und Kunde haben sich vor und nach der sexuellen Dienstleistung die Hände zu waschen.
  • Die benutzte Bettwäsche muss nach jedem Kunden gewechselt werden.
  • Die von der Prostituierten getragene Dienstkleidung soll nach jedem Kunden gewechselt werden.
  • Nach jedem sexuellen Kontakt soll der entsprechende Raum für 15 Minuten gelüftet werden.

Kommentar von Wolfgang Große-Westermann:

Mit einem bundesweiten Lockdown hat man auf die relativ schnell auftretende Corona-Pandemie reagiert.

Ob man so noch einmal reagieren würde ist fraglich. Das Maßnahmen- und Einschränkungspaket war enorm umfangreich und drastisch. Vielleicht hätte es ausgereicht Veranstaltungen abrupt zu verbieten und eine Maskenpflicht einzuführen. Bei gleichzeitig schnellstem und konsequenten Schutz der Risikogruppen.

Nun entbehrt der Ausstieg aus diesem Maßnahmenpaket teilweise einer gewissen Logik und ruft eine leichte Kuriosität hervor. Verbunden mit einer Übersichtslosigkeit, denn mittlerweile kocht jedes Bundesland sein eigenes Süppchen.

Klassisches Beispiel dafür ist der Ausstieg aus dem Prostitutions-Verbot. Durchaus sinnvolle und dem Hygieneschutz angedachte Auflagen.

Eine Frage nur: Wer soll diese Auflagen kontrollieren? Ordnungsamt, Security-Team?

Müssten sich ja dann quasi neben die Matratze stellen. Aber halt, geht ja nicht. Nach der Schutzverordnung „dürfen sich andere Personen während der sexuellen Dienstleistung nicht im Raum befinden“.

 

Foto © stockcrafter, AdobeStock

 

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