Rote Weste und Hut auf – Herbstzeit ist Hasenjagd

Stark bedroht und heiß begehrt – Trotz sinkendem Vorkommen und Aufführung in der Roten Liste der bedrohten Tierarten wird der Feldhase weiter gejagt.

Der Feldhase erschien erstmals 1998 auf der bundesweiten  „Rote Liste“  der vom Aussterben bedrohten Tiere, vorgelegt von Wissenschaftlern des Bonner Bundesamtes für Naturschutz (BfN), in der Kategorie 3, „Gefährdet“. In der Roten Liste NRW hat er die Einstufung 5, Vorwarnliste; Bestand rückläufig. International fällt er unter Anhang III der Berner Konvention. Danach dürfen Tiere nur in einem Umfang bejagt werden, der ihren Bestand nicht gefährdet.

Erste Anhaltspunkte für einen Rückgang der Hasenpopulation gab es schon seit 1975.  Als Maßregel für den jeweiligen Bestand an Hasen gilt üblicherweise die Anzahl der jährlich erlegten Tiere. Betrug die Jagdstrecke 1975 noch 1.500.000 Tiere, so hatte sie sich seit Mitte der 90er Jahre bei rund 500.000 eingependelt. Im Jahr 2008 begann eine rasante Talfahrt, die bis zum heutigen Tage anhält und im Jagd-Jahr 2018/2019 zum Rekordminus von 190.000 erlegten Hasen geführt hat. Der Grund für diesen rasanten Abwärtstrend wird in dem 2004 erlassenen EEG Gesetz (Erneuerbare Energien) zu suchen sein, das zu einem massiven Anstieg des Maisanbau in Deutschland geführt hat. Die Anbaufläche hat sich seit dem um eine Million auf 2,5 Millionen Hektar vergrößert. Gebiete, die dem Feldhasen nun als Lebensraum fehlen. Die riesigen Monokulturen bieten kaum noch Platz für Brachflächen und krautreiche Randstreifen. Gerade diese braucht er für eine gesunde Lebensweise, da sein Immunsystem äußerst anfällig für Infektionen sind.

Auch die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft macht dem Hasen zu schaffen. Die Verlustquote durch landwirtschaftliche Geräte wird auf bis zu 20 % geschätzt. Ein weiterer Faktor der Zerstörung seines Lebensraums ist der immer dichter werdende Straßenverkehr. Nicht nur, dass sein Refugium hierbei immer mehr zerschnitten wird, schon allein die Verlustquote an Hasen als reines Unfallopfer wird auf bis zu 30 % geschätzt.

Und bejagt wird er auch noch nach wie vor. Wobei man wissen muss, dass eine Einstufung in der Roten Liste nicht gleichzeitig auch ein Jagdverbot bedeutet. Im Jahr 2001 hat die Jägerschaft begonnen bundesweite Hasenzählungen zu organisieren, um festzustellen wie hoch der Bestand wirklich ist und wie groß die Zuwachsrate. Zusätzlich zu diesen flächendeckenden Zählungen macht man seit einigen Jahren Zählungen für ein bestimmtes Jagdrevier. In der Regel nachts mit Scheinwerfern. Quasi als Bestandsaufnahme um festzustellen, ob in diesem Gebiet überhaupt der Hasenbesatz für eine geplante Treibjagd ausreichend ist.

Das Umweltamt NRW schätzt nach Statistiken, das auf ca. 30 % aller Treibjagden wegen zu geringer Population freiwillig verzichtet wird.

Auch nach Inkrafttreten des novellierten Landesjagdgesetzes im Mai 2015 unterliegt der Feldhase weiterhin dem Jagdrecht und darf vom 16. Oktober bis 31. Dezember bejagt werden.

Grund genug für den NABU die Forderung zu stellen, den Hasen aus der Liste der jagdbaren  Arten NRW zu streichen. Zumindest so lange, bis die frühere Populationsstärke wieder erreicht ist.

Einen gleichartigen Vorstoß gab es schon einmal im Jahr 2001 durch das Bonner Bundesamt für Naturschutz. Damals hatte man eine neuerliche Vorschlagliste der jagdbaren Tierarten erarbeitet.

Danach sollte der Hase aus dem Jagdrecht entnommen und dem Naturschutz unterstellt werden.

Durch einen Regierungswechsel ist diese Vorlage nie umgesetzt worden.

Der Feldhase gilt nicht als landwirtschaftlicher Schädling. Die Jägerschaft rechtfertigt die Bejagung mit der Nutzung von natürlichen Ressourcen zwecks Gewinnung von Wildfleisch.

Bei dieser Ressource handelt es sich nicht um Holz, Wasser oder Mineralien. Sondern um frei lebende Tiere.

Die Bestände sind bedroht und rückläufig, werden auch außerhalb der Jagd von allerlei Faktoren weiterhin dezimiert.

Der Hase im Konsuminteresse des Verbrauchers spielt nur eine Delikatessen-Rolle wie anders Wildfleisch auch. Einen Einfluss auf Massentierhaltung mit Dumpingpreisen für Fleisch hat es in keinster Weise.

Somit bleibt es wohl eine philosophische Frage: „Darf man ein Tier jagen und töten nur weil es  da ist?“ Und zeigt uns der Hase nicht vielleicht die Gratwanderung der Jagd zwischen Notwendigkeit und Hobby?

Der Feldhase ist nicht nur durch Bejagung bedroht. Trotzdem scheint bei sinkenden Populationen und zunehmender Zerstörung seines Lebensraums ein Jagdverbot diskussionswürdig zu sein.

Foto © Tatiana, AdobeStock

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