Praxistest: Freibad Werl – einmal entspannt Schwimmen in Corona-Zeiten

Als einer der ersten Freibäder in der unmittelbaren Nähe von Hamm hat das Freibad Werl am 29. Mai 2020 seine Pforten geöffnet.

Auch bundesweit liegt die Stadt Werl somit unter den schnellsten, die es geschafft haben, die Corona-Regeln in den Badebetrieb zu integrieren. Die Freibadsaison ist kurz und es herrschte Zeitdruck. Grund genug einmal in einem Selbstversuch zu testen, ob mit der heißen Nadel gestrickt wurde oder in aller Schnelle ein funktionierendes Sicherheits- und Hygienekonzept in`s Leben gerufen worden ist.

Bestes Badewetter, fast 30 Grad bei blauem Himmel. Laut Homepage ist der Badebetrieb in zwei Schichten aufgeteilt. Je Schicht max. 500 Personen zur selben Zeit, die sich auf dem Gelände aufhalten dürfen. Ich gehe auf Nummer sicher und telefoniere um 18.00 Uhr mit der Pforte und Kasse. „Es sind gerade 234 Personen im Bad, sie passen da gut noch mit rein“, gab es als freundliche Antwort der Kassiererin.

Im Eingangsbereich ist Mundschutzpflicht, vor dem Bezahlen ist ein Fragebogen auszufüllen mit Personalien, evtl. Begleitpersonen und Rufnummer. Zu meiner ersten Überraschung erhalte ich sofort beim Einlass ein Armband. Es gibt zwei Farben: Gelb für Einzelbesucher, Rot für Familien. Der Hintergrund wurde mir schnell erklärt. Die Schwimmmeister können auf diese Weise ohne lästiges Nachfragen sofort erkennen, wo sich Corona-rechtswidrige Gruppierungen bilden.

Auf dem Weg zu den Umkleiden sieht man keine Personen mehr mit Mundschutz. Die Kabinen sind im Freien, unter einem weiträumigen Vordach. Sechs Duschen sind in einer Reihe vorhanden, die beiden äußersten sind im Betrieb. Max. 2 Personen dürfen sich denn auch in den Duschen aufhalten. Einige Gäste warten geduldig auf den Sitzbanken vor der Duschhalle, man trägst es mit einer Brise Humor.

Das Sportbecken ist mit einer Leine durchtrennt. In einer der Hälften ist eine zusätzliche Trennung durch einen hinein gehängten Schlauch zu erkennen. Der Schlauch schließt nicht mit dem Beckenrand ab, so dass man im Kreis schwimmen kann, und auch soll. Ich war wohl als Sportschwimmer zu erkennen, und ein Schwimmmeister wies mir die andere Hälfte des Beckens zu, die denn auch mit einem Schild „Sportschwimmer“ gekennzeichnet war.

Ich fragte nach dem Hintergrund. Die Erklärung war einfach, logisch und Corona-Regeln-konform. Ältere Menschen und ungeübte Schwimmer neigen zur Grüppchenbildung im Wasser, und schwimmen auch schon mal längere Zeit nebeneinander her. Durch das Schwimmen im Kreis wird dieses deutlich erschwert.

Sportschwimmer halten den Kopf nur zum Luftholen über Wasser und machen kaum Pausen. Somit auch beim Bahnenziehen Corona-gerecht. Sämtliche Attraktionen und Rutschen waren im Betrieb. Der Schwimmmeister erläuterte mir das entgegen der üblichen Praxis das Hallenbad geschlossen ist. Somit ist dieses Personal frei, und wird nun eingesetzt zur ständigen Desinfektion der Gerätschaften.

Mein Fazit:
Die recht strengen Corona-Abstandsregeln und Hygienevorschriften fallen dem Badegast und Schwimmer nicht auf. Durch einfachste Maßnahmen und ohne große Verbotsregeln werden die Corona-Vorschriften in die Praxis umgesetzt. Durch kleinste technische Veränderungen und minimalem Eingriff in den Schwimmbetrieb, ersetzt man ein permanentes Einschreiten des Personals mit einer damit verbundenen Unruhe. Ein ruhiger und in dieser von Corona-Aufregung geprägten Zeit auffallend entspannter Freibad-Betrieb.

 

Foto: © itprax, AdobeStock

Wolfgang Große-Westermann
Author: Wolfgang Große-Westermann

Als Hammer Junge engagiert sich Wolfgang Große-Westermann seit 1980 im Pressewesen. Seinen Schwerpunkt setzt der Journalist auf investigativ, kritisch und recherchehaltig.

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