Ornithologen-Gesellschaft-NRW: keine Notsituation für Hammer Stadttauben

Gerd Köpke von der Ornithologen-Gesellschaft-NRW sieht keine Notsituation für Hammer Stadttauben.

Wie kaum eine andere Vogelart hat sich die Stadttaube zum anpassungsfähigen Kulturfolger entwickelt. Man schätzt ihren Bestand in deutschen Städten auf ca. 500 Millionen Tiere. Zur  Freude vieler Einwohner und zur Sorge etlicher Hausbesitzer und Stadtverwaltungen.

Im Siedlungsbereich des Menschen ernähren sie sich von Essensresten, Abfällen und privaten Fütterungen. Durch ausreichendes Nahrungsangebot und günstiges Stadtklima ist eine Fortpflanzung von zwei bis acht Mal mit je zwei Jungen ermöglicht.

Die Höchstzahlen der Population treten in den Stadtkernen auf. Und dort auch die entstehenden Probleme: Geruchsbelästigungen und Lärm, Taubendreck an Gebäuden und die Gefahr einer Übertragung von Krankheitserregern.

Zur Dezimierung kommen verschiedene Methoden zum Einsatz. Abschuss, Käfigfang, Vergiften, oder mechanische Mittel wie Gitter und Zäune. Unter anderem auch ein Fütterungsverbot.

Und gerade dieses Fütterungsverbot sorgt in Zeiten der Corona-Krise für Diskussionsstoff.

Leere Autobahnen und Straßen, aber auch geschlossene Außengastronomie und weniger Passanten.

Die Tierschutzorganisation PETA  und auch andere Verbände haben mit Beginn der Kontaktbeschränkungen eine Kampagne gestartet, in der fast 80 deutsche Städte angeschrieben wurden, mit der Aufforderung das Taubenfütterungsverbot im Zeitraum der Kontaktbeschränkungen auszusetzen und kommunale Fütterungen zu organisieren. Die Begründung hierfür ist eindeutig und an der Corona-Krise festgemacht; weniger Menschen auf den Straßen und geschlossene Gastronomie bedeutet weniger Abfall, und daher auch weniger Nahrung. Daraus würde in kürzester Zeit ein Hungern bis hin zum Hungertod resultieren.

Die Stadt Hamm hat solch ein Schreiben erhalten, zeitgleich mit anderen Städten wie auch Köln. Das Umweltamt Köln hat reagiert und lässt seitdem auf öffentlichem Grund, an ausgewählten Orten eine organisierte Fütterung zu. Diese wird von Mitarbeitern einiger Kölner Tierschutzvereine vorgenommen. Dieser Personenkreis hat eine Ausnahmegenehmigung erhalten, die allerdings zeitlich begrenzt nur bis zu Aufhebung der Kontaktbeschränkungen gilt.

Einen gleichartigen Vorstoß hat in Hamm Frau Haschemi-Röben vom Stadttauben Projekt Hamm geleistet. An einen Brief an die Stadtverwaltung hat sie darum gebeten, eine Duldung der Fütterung für den Zeitraum der Corona-Krise zu dulden. Es solle von eigenen Helfern nur soviel Futter ausgebracht werden, dass Stadttauben gerade davon überleben können. Etliche Hammer Bürger hätten sich zudem schon bereit erklärt Futter für diesen Zweck zu spenden.

Die Antwort der Stadtverwaltung begründete sich auf eine Rücksprache mit den Veterinären des Kreisveterinäramtes Unna. Man würde davon ausgehen, dass die Tauben bei einer Nahrungsknappheit dazu übergehen, sich aus der Innenstadt zu entfernen und in nahrungsreichere Gebiete zu wechseln. Ein Eingreifen erscheint daher zum jetzigen Zeitpunkt weder notwendig noch angebracht.

In Hamm wohnhaft, bekannter und anerkannter Ornithologe, Mitglied der Ornithologen Gesellschaft NRW, wurde von HAMM.NEWS nun zu der Problematik der Stadttauben befragt.

Gerd Köpke sieht das Hauptproblem der Stadttauben in einem hygienischen Problem. Taubenkot zum einen, aber auch die Übertragung von Krankheitskeimen bei einer hohen Population.

In der Frage zu einer Fütterung in Zeiten der Corona-Krise scheint Hamm hingegen eine Ausnahmesituation zu haben. Gerd Köpke beobachtet das Flugverhalten der Stadttauben schon seit geraumer Zeit. In Zeiten der Nahrungsknappheit entsteht eine Flugroute Richtung Hafen Hamm. Dort ansässig die Firmengruppe Jäckering mit den Kernpunkten Weizenstärke und Weizenkleber. Was denn auch die Zielankunft ist.

Dieses mag die Situation von Hamm erläutern, maßgeblich für ganz Deutschland wird es jedoch nicht sein.

Gerd Köpke mahnt daher auch dazu, diese Zeit der Corona-Krise zu nutzen, um einmal grundsätzlich über das Problem der Stadttauben in Deutschland nachzudenken.

 

Foto: © Rainer Fuhrmann, AdobeStock

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