Organspende-Entscheidung enttäuscht: “Ein Schlag ins Gesicht”

Im Bundestag wurde gestern über die Organspendepraxis abgestimmt. Ab sofort gilt die Zustimmungslösung, die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagene Widerspruchslösung wurde abgelehnt. Im Vergleich zum bisherigen Praxis ergeben sich hierdurch nur minimale Änderungen.

In dritter Lesung haben nach ARD-Informationen 432 Abgeordnete des Bundestags für die erweiterte Zustimmungslösung gestimmt, dagegen waren 200 Parlamentarier, 37 enthielten sich. Der Gesetzentwurf wurde von einer Abgeordnetengruppe um Annalena Baerbock (Grüne) und Katja Kipping (Linke) eingebracht. Nach Angaben der WELT “Organspende ist ein Akt der Nächstenliebe” sterben in Deutschland täglich drei Menschen, weil ein passendes Organ nicht rechtzeitig verfügbar ist.

“Wir sind sehr enttäuscht über den Ausgang und hatten gehofft, dass sich in Deutschland endlich etwas mutig bewegt und wir – wie es in anderen Ländern der EU üblich ist – auch die Widerspruchslösung bekommen”, so Peter Fricke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Organtransplantierten e.V. auf Hamm.NEWS-Nachfrage. “Leider gibt es wie häufig schon ein ‘weiter so’. Mit der Zustimmungslösung wird sich in Deutschland im Rahmen der Organspende nichts ändern.”

Ein Schlag mit der Faust ins Gesicht für jeden Wartepatienten. 
Peter Fricke
Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Organtransplantierten e.V.

Wie funktioniert die Organspende zukünftig?

Eine Organentnahme ist jetzt nur dann möglich, wenn der Spender zu Lebzeiten dieser ausdrücklich zugestimmt hat. Im Vergleich zur bisherigen Lösung sollen die Bürgerinnen und Bürger zukünftig mindestens alle zehn Jahre – z. B. im Rahmen einer Personalausweisverlängerung oder eines Arztbesuches – auf die Spendemöglichkeit angesprochen werden. Zudem soll es ein Online-Register geben, in welchem die Spendenbereitschaft dokumentiert wird. Ob der Hinweis während einer Personalausweisverlängerung die Spendebereitschaft steigert, bleibt abzuwarten. I.d.R. befinden sich Bürgerinnen und Bürger während dieser Amtshandlung in einem Verwaltungsvorgang, der die Aufmerksamkeit für das wichtige Thema “Organspende” überschatten kann.

Wie war Organspende bisher geregelt?

Bisher regelte das 1997 beschlossene Transplantationsgesetz die Organspende so, dass Entnahmen nur bei ausdrücklicher Zustimmung durch die Patienten zu Lebzeiten als auch ihre Angehörigen nach dem Tode zulässig waren. Die Voraussetzung für eine Organentnahme ist der Hirntod eines Patienten.

Wie ist die Situation in Hammer Krankenhäusern?

Sowohl das St. Marienhospital Hamm, als auch die St. Barbaraklinik Hamm-Heessen sind reine Entnahmekrankenhäuser, in denen keine Organe implantiert werden. Implantationen werden überwiegend in Uni-Kliniken vorgenommen, welche über ein ausgewiesenes Transplantationszentren verfügen. Auf Nachfragen von Hamm.NEWS teilte uns die Sprecherin des St. Marienhospitals mit, dass Organentnahmen sehr selten sind und ca. einmal im Jahr durchgeführt werden. In beiden Hammer Kliniken sorgen Organspendebeauftragte für den reibungslosen Ablauf einer Organentnahme inkl. aller damit verbundenen Aufgaben. Der Organspendebeauftragte der St. Barbaraklinik Dr. Guido Schröder (Chefarzt für Anästhesiologie, Intensiv-, Notfall- & Schmerzmedizin) teilte uns auf Nachfrage mit, dass die Spendenbereitschaft nach zurückliegenden Skandalen in den vergangenen Jahren kontinuierlich rückläufig war, zurzeit laut DSO erstmalig aber wieder ein leichter Anstieg der Spendenbereitschaft zu verzeichnen sei.

Wie läuft eine Organspende ab?

Organspenden werden nach strengen gesetzlichen Vorgaben durch die Deutsche Stiftung für Organspende (DSO) gesteuert. Die Bestimmung eines geeigneten Empfängers erfolgt durch die zentrale Dantenbank für Organspende Leiden (Holland). Nur durch diese Organisation können Organe mit einer großen Übereinstimmung transplantiert werden.

Wie werde ich Organspender?

Ein Organspendeausweis kann bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) online ausgefüllt und bestellt werden.

Foto: © Alexander Raths, AdobeStock

1 Kommentar
  1. Güttler

    Der WISCHI-/WASCHI-Vorschlag der Grünen + Linken hat sich durchgesetzt und ist jetzt (warum auch immer, erst in 2 Jahren!!!) GESETZ:
    Wer, wie meine Frau (44), seit >8 Jahren auf eine Niere wartet, kann nur an der Halbherzigkeit des Gesetzes + unserer Volksvertreter verzweifeln und hoffen, bis dahin, mehr schlecht als recht, zu überleben… FURCHTBAR!!!
    Als “Zusatzpunkt” des Gesetzes sollten alle beteiligten Entscheider automatisch, nicht alle 10 Jahre!, die Todesanzeigen der “vorzeitig” verstorbenen Patienten erhalten…

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