Infektionsausbreitung im Schulumfeld nicht kontrollierbar

Das Robert-Koch-Institut empfahl zum Start der Herbstferien die Ergreifung von Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen in Schulen.

Es galt eine unkontrollierte Infektionsausbreitung in Schulen und im Schulumfeld zu vermeiden. Außerdem sollte eine schnelle Fallfindung und Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten mit anschließender konsequenter Umsetzung von Isolierung und Quarantäne garantiert werden.

Trotz dieser Empfehlung hat sich laut Mitteilung der WAZ die Anzahl der Corona-Fälle an mehr als 5.500 Schulen in NRW mit rund 2,5 Millionen Schülern seit den Herbstferien mehr als verdoppelt.

Wie steht es um die Schutzmaßnahmen in Schulen und im Schulumfeld?

Das Schulministerium verpflichtete in seinen „Hinweisen und Verhaltensempfehlungen für den Infektionsschutz an Schulen mit Covid-19“ vom 21.10.2020 alle Personen, die sich im Rahmen der schulischen Nutzung in einem Schulgebäude oder auf einem Schulgrundstück aufhalten, während dieser Zeit eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. Ausgenommen sind Schüler der Primarstufe (1. bis 4. Klasse), die sich im Klassenverbund im Klassenraum aufhalten.

Erst sechs Wochen nach der RKI-Empfehlung reagieren die ersten Kommunen auf die Umsetzung von Maßnahmen im Schulumfeld. So wird es in Hamm ab Mittwoch eine erweiterte Maskenpflicht vor den Schulen geben – aber nur rund um alle weiterführenden Schulen.

Corona-Warn-App

Ein Instrument für eine bessere Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten stellt die Corona-Warn-App dar. Aus dem Schulministerium heißt es hierzu:

„Die Corona-Warn-App kann bei der Eindämmung der Pandemie einen zusätzlichen Beitrag leisten, indem sie schneller als bei der klassischen Nachverfolgung Personen identifiziert und benachrichtigt, die eine epidemiologisch relevante Begegnung mit einer Corona-positiven Person hatten. Zudem hilft sie, den zeitlichen Verzug zwischen dem positiven Test einer Person und der Ermittlung und Information ihrer Kontakte zu reduzieren. Die Nutzung der App soll allen am Schulleben Beteiligten empfohlen werden.“

Bei einer Befragung der Hammer Schulen zeigt sich, dass die Corona-App von den meisten Schulen thematisiert und in den Klassenstunden ­– teilweise mit Filmmaterial unterstützend – diskutiert wurde. Um den Betrieb der App zu ermöglichen wurden auch Handyregeln in der Hausordnung ausgesetzt. Aufgrund einer fehlenden Erhebungsaufforderung wurde der Erfolg der Aufklärung jedoch nicht ermittelt. Schließlich sei das Handy Privatsache der Schülerinnen und Schüler.

Keine Nachverfolgung in Schulbussen

Weniger ambitioniert stellt sich die Umsetzung der RKI-Empfehlung in Schulbussen dar. Ohne Zweifel zählt ein voll besetzter Schulbus zum Schulumfeld. In der Praxis beschränken sich die Maßnahmen der Verkehrsbetriebe auf die Coronaschutzverordnung des Landes, teilte uns eine Unternehmenssprecherin mit. Das Robert-Kochb-Instutut würde gerade in diesen Tagen vor der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel warnen:

„Gegebenenfalls kann es unter diesen schwierigen Bedingungen auch eine Entscheidung gegen die Fahrt im ÖPNV geben.“

Die Stadtwerke sehen im ÖPVN ein sehr geringes Risiko, sich zu infizieren:

„Maskenpflicht und permanentes Lüften durch Türöffnungen, die relativ kurze Verweildauer in den Bussen und die Tatsache, dass die Fahrgäste wenig sprechen.“

Die Nachverfolgbarkeit von Beförderten durch das Hinterlassen der Kontaktdaten sei in keiner Schutzverordnung beschrieben und praktisch nicht umsetzbar. Außerdem sei dies aufgrund der bisherigen Erkenntnisse auch nicht erforderlich. Busse und Bahnen seien nach wie vor keine Corona-Hotspots, so die Stadtwerkesprecherin.

 

Kommentar von Thomas Reimann:

Obwohl die Umsetzung von Schutzmaßnahmen in Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten gut abzuschneiden scheint, spalten die Maßnahmen und deren Durchsetzung die Gesellschaft.

Ein Grund dafür ist die fehlende Durchgängigkeit der Maßnahmen durch alle Lebensbereiche und das Verständnis für deren Sinnhaftigkeit – und dies, obwohl die Menschen grundsätzlich zu einer konsequenten Befolgung im Sinne einer raschen Eindämmung der Pandemie bereit sind.

Ein Gastronom, der sich penibel an die Einhaltung der Hygienemaßnahmen hält, Kontaktdaten für die Nachverfolgung einfordert, Desinfektionsgeräte und Plexiglasschilder auf eigene Kosten installiert, muss sein Lokal schließen. Auf der anderen Seite wird bei der Beförderung von Schülern in überfüllten Schulbussen auf eine Nachverfolgbarkeit verzichtet und oft auf eine permanente Belüftung verzichtet. Auf Schulhöfen gilt eine Maskenpflicht, aber das „Schulumfeld“ endet offensichtlich an der Bordsteinkante. Das Schulministerium empfiehlt den Schulen die Thematisierung der „Corona-Warn-App“ aber ohne weitere Anforderungen an Durchführung und Intensivierung.

Wenn die erforderlichen Maßnahmen von der Gesellschaft akzeptiert werden sollen, ist dringende Eile bei der Ausgestaltung und Durchsetzung der Maßnahmen geboten. Das Maßnahmenkonstrukt muss logisch nachvollziehbar sein und ein Gefühl der Gleichbehandlung erzeugen. Dies gilt nicht nur für Hamm oder NRW, sondern bundesweit.

 

Foto © elmar gubisch, AdobeStock

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29. November @ 11:00 - 16:00 CET
Dez 05

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5. Dezember @ 19:00 - 6. Dezember @ 1:00 CET

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