Hat die Bundesregierung bei den Impfstoffen die „Katze im Sack“ gekauft?

Der Virologe Leif Erik Sander von der Charite Berlin hat der Deutschen Welle ein bemerkenswertes Interview gegeben, dass von anderen Medien kaum beachtet wurde.

 

Beide Impfstoff-Kandidaten der Firmen Biontech/Pfizer beruhen auf einem modernen Konzept, das erst in den letzten Jahren entwickelt wurde, erklärt Sander,  Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfforschung in Berlin.  Die zentrale Rolle dabei spielt die sog. „Boten“ – RNA.

Man hat in diesem Falle quasi als Vorlage das Erbgut des neuen Corona-Virus genommen, und eine Boten-RNA hergestellt für ein Eiweiß (Spike-Protein), was dafür zuständig ist, dass sich die Cornaviren an die Zelloberfläche anheften können. Der Körper wird durch eine Injektion mit dieser RNA dazu veranlasst, selber diese kleinen Virusproteine herzustellen. Und kann dann dagegen Antikörper oder andere Immunantworten ausbilden. Das ist das Prinzip der Impfung.

„Mit der RNA-Technologie kann der menschliche Körper seine eigene Medizin herstellen“, so formuliert es Sander im ganz einfachen Deutsch.

Sander hat dabei zwar keine Bedenken, dass die Gefahr eines Übergangs des Corona-RNA in normales menschliches DNA passieren könnte.

Ganz anders sieht er es bei der Frage nach einem möglichen Krebsrisiko. Es scheint zwar nicht so, dass ein größeres Krebsrisiko besteht wie bei jeder anderen Impfung. Trotzdem wird in Fachkreisen über ein potentielles Risiko diskutiert, dass aus der Impfstoffentwicklung gegen das Dengue-Fieber bekannt ist.

Die Antikörper, welche nach der Impfung gebildet werden, sind nicht ganz optimal. Sie können durchaus Schaden anrichten, wenn das Virus in Zellen gelangt, in die es bei einer normalen Infektion nicht gelangt wäre. Genau in diesem Punkt hat man Befürchtungen bei der Corona-Impfung.

Bisher unterscheiden sich alle vorgestellten Impfstoffe sehr stark, was die Menge und Konzentration der jeweils verabreichten RNA-Dosis betrifft. Nach Ansicht von Sander sind daher mögliche Nebenwirkungen, wie ein leichter viraler Infekt, noch nicht absehbar.

Er betont dabei ausdrücklich, das bei Biontech/Pfizer und auch bei Moderna, der Informationsstand bisher nur auf Pressemitteilungen beruht.

Und er weist auf ein weiteres Risiko hin. In den Untersuchungen sei zwar von einer Reduktion der Corona-Infektionen um 95 % berichtet worden. Aber „Die Frage, ob tatsächlich eine asymptomatische Infektion oder noch viel besser, Infektiosität verhindert werden kann, ist in den Studien nicht untersucht worden“.

Und diese Ergebnisse werden auch aus den bisherigen Studien nicht hervorgehen. Dazu hätte man die 30.000 bzw. 40.000 Probanden regelmäßig wöchentlich oder noch häufiger abstreichen und testen müssen. Das ist in der Kürze der Zeit logistisch nicht möglich gewesen.

„Das müssen wir uns dann im echten Leben anschauen, wenn diese Impfstoffe tatsächlich zugelassen werden und bei uns in Deutschland eingesetzt werden. Dann kann man versuchen zu vergleichen, wie häufig noch asymptomatische Infektionen bei Geimpften im Gegensatz zu nicht Geimpften vorkommen.

 

Leif Erik Sander leitet eine Arbeitsgruppe der Medizinischen Klinik Schwerpunkt Infektiologie an der Charite Berlin.

Er ist 2012 mit dem Theodor-Frerichs-Preis der Deutschen Gesellschaft für Innere medizin ausgezeichnet worden. Sander erhielt die Auszeichnung für seine Forschungen zur „Viabilität“ von Bakterien.

 

Foto © Jill Peters, AdobeStock

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