FabMobil: „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt …“

Projektskizze: Mit dem mobilen Makerspace von Schule zu Schule

Das FabLab Hamm nutzt die verordnete Corona-Pause zur Entwicklung neuer Formate für „die Zeit danach“. Eine besonders spannende Idee aus dem „FabLab-Thinktank“ stellen wir nachfolgend vor: Das mobile FabLab, oder auch kurz und einfach „FabMobil“ genannt.

MINT-Bildung in Deutschland – Quo vadis?

Seit vielen Jahren dominiert der Begriff „MINT“ die nationale Bildungsdiskussion, die insbesondere den Mangel an eben diesen naturwissenschaftlich-technischem Nachwuchskräften beklagt. Wie zukunftsbedrohend die Lage ist, zeigt unter anderem die aktuelle Auswertung des MINT-Nachwuchsbarometers: Die 2020er Ausgabe der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften in Kooperation mit der Körber- Stiftung belegt nämlich wieder einmal, dass die Anstrengungen in Deutschland für eine bessere MINT-Bildung und mehr Nachwuchs in Naturwissenschaften und Technik nicht ausreichen. Das Interesse und die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in diesen Fächern sinken; einem Drittel der Jugendlichen fehlen grundlegende computerbezogene Kenntnisse und Fähigkeiten.
Die wenigsten Schulen verfügen weder über geeignete Räume noch entsprechendes Personal, um einen motivierenden, zukunftsgerichteten, kreativen und nachhaltigen Technik- oder Werkunterricht anbieten zu können. – In manchen Schulformen ist das praktische Unterrichtsfach Technik zeitlich und fachlich unterrepräsentiert oder fehlt sogar gänzlich.
Zudem besinnt man sich gerade im anglo-amerikanischen Sprachraum den dort synonym zu
„MINT“ etablierten Begriff „STEM“ (science, technology, engineering and mathematics) um den Aspekt „arts“ (also Kunst!) zu erweitern: Aus „STEM“ wird „STEAM“ und bietet damit auch all jenen einen niedrigschwelligen Zugang zu kreativ-tüftelnder Beschäftigung, die Technik und Naturwissenschaften bislang als zu wenig emotional-berührend erlebt haben. – Eine entsprechende inhaltliche Erweiterung ist also angezeigt!

Ein außerschulischer Lernort kommt in die Schule!

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet eben zum Berg gehen. – In unserem Fall fährt er allerdings, und zwar mit dem FabMobil, dem coolen Makerspace auf Rädern, einem fahrenden Kunst-, Kultur-, Design- und Zukunftslabor!
Aus der Erkenntnis, dass es vielen Schülerinnen und Schülern an der Idee, an Tatkraft oder Mut fehlt, sich selbst auf den Weg in eine offene Mitmach-Werkstatt, einen lokalen Makerspace oder ein FabLab zu machen, folgt, dass entsprechende Angebote ihren Weg in die Schule finden müssen! – Um die erfolgreichen Techniker von morgen zu finden und zu fördern, beabsichtigt der FabLab Hamm-Westfalen e.V. einen mobilen Makerspace-Anhänger auf die Reise von Schule zu Schule zu schicken und die dortigen Schülerinnen und Schüler mit zielgruppenspezifischen Angeboten, verkörpert durch ehrenamtliche Experten und ergänzende Honorarkräfte, für Technik zu interessieren und bestenfalls für eine Karriere als erfolgreicher „Maker“ zu begeistern.

Blues Brothers reloaded: Gemeinsam unterwegs in Namen des Herrn!

Der inspirierend designte FabMobil-Anhänger (siehe Beispiel der Agentur REIMEDIA), der mittels eines geeigneten Fahrzeugs direkt auf den Hof der jeweiligen Schule gefahren wird, entfaltet vor Ort sein attraktives Angebot:
Ausgestattet mit professionellen Maker-Tools (3D-Drucker, Lasercutter, verschiedenen Holz-, Textil-, Elektronik- und Kunststoffwerkzeugen, Programmiertools, Computertechnik und vielem mehr) sowie zahlreichen Ideen und Materialien für Mitmach-Projekte begeistert das mitgereiste Maker-Team Klassen, Kurse oder AGs für Stunden oder ganze (Projekt-) Tage.

Das FabMobil wird als sog. „außerschulischer Lernort“ online durch die Schule(n) gebucht und bereichert mittels speziellen, in Zusammenarbeit mit Fachdidaktikern entwickelten Lernangeboten, den schulischen Lehrplan. Eine wissenschaftliche Begleitforschung evaluiert die Lernwirksamkeit einzelner Angebotsmodule für unterschiedliche Zielgruppen und macht Vorschläge zur weiteren fachlichen oder didaktischen Ausgestaltung.
Das FabMobil macht naturwissenschaftlicher Lernstoff anwendungsrelevant und beweist eindrucksvoll, dass technische Fähigkeiten nicht nur „cool“ sind, sondern als handwerklich- technische Berufe eine erstrebenswerte Zukunftsperspektive eröffnen! – Der Technikstandort Deutschland erhält motivierten „STEAM“-Nachwuchs und wird seinem Ruf als „Land der Tüftler und Erfinder“ wieder gerecht.

 

Autor des Beitrags:
Jens Christian Kneißel (v.i.S.d.P.)
www.fablab-hamm.de

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