Die Zeche zahlt das Schwein – Streit um Kosten des Corona-Ausbruchs bei Tönnies

Der Fleischproduzent Clemes Tönnies will nicht darauf verzichten, Lohnkostenerstattung wegen der behördlichen Schließung seines Hauptwerkes in Rheda-Wiedenbrück geltend zu machen. Notfalls will er dieses gerichtlich durchfechten. Er wolle verhindern, dass seine Mitarbeiter und Dienstleister bei der Verteilung von Quarantäne-Hilfen „stigmatisiert“ werden.

Der Antrag auf besagte Lohnkostenerstattung befindet sich zur Zeit beim Ministerium für Arbeit,  Gesundheit und Soziales des Landes NRW. Zusammen mit Subunternehmen von Tönnies beläuft sich die Anzahl auf 2200 Anträge.

Nach Recherchen des Ministeriums kam es nach der Quarantänezeit, als der Schlachthof nicht bei voller Kapazität arbeiten konnte, vermehrt zu Problemen hinsichtlich rückwirkender und unter Druck unterschriebener Vereinbarungen zu Kurzarbeit und Kündigungen durch den Arbeitgeber, bis hin zur Erzwingung von Selbstkündigungen.

Das Ministerium geht daher vom heutigen Stand davon aus, dass es gute Anhaltspunkte gibt, dass eine Zahlungspflicht des Landes bei Anträgen im Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies nicht besteht.

Bei Tönnies hatten sich nachweislich 1400 Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert. Vorübergehend waren deshalb weitgehende Einschränkungen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf verhängt worden.

Allein im Kreis Gütersloh ließen sich anschließend rund 100.000 Bürger auf Corona testen. Allein in diesem Landkreis hat der Corona-Ausbruch bei Tönnies fast 10 Millionen Euro Kosten verursacht. Ein Teil davon will der Kreis sich von Tönnies zurückerstatten lassen.

Vor laufenden Fernsehkameras hatte sich Tönnies dazu bereit erklärt, doch eine Rechnung hat er noch nicht erhalten. In einer Verwaltungsvorlage heißt es: „Die Prüfung, ob Kosten vorrangig von Dritten zu zahlen sind, ist noch nicht abgeschlossen“.

Insgesamt geht es um exakt 9,6 Millionen Euro allein beim Kreis Gütersloh. Kosten für Tests, Personal und Mindereinnahmen bei Gebühren und Steuern.

Rechtsexperten bezweifeln schon jetzt, dass dieser Betrag überhaupt einzuklagen ist. Wenn überhaupt, müsste Tönnies freiwillig zahlen.

 

Kommentar von Wolfgang Große-Westermann:

In dem auf maximaler Ausbeutung von Mensch und Tier basierenden Produktionsprozess Schweine möglichst kostengünstig zu töten, um das Endprodukt Fleisch ebenso kostengünstig verkaufen zu können, ist durch das Corona-Virus eine Störung aufgetreten.

Das Interesse des Bürgers konzentriert sich dabei augenscheinlich auf Preis und Erhalt der eigenen Fleischversorgung.

Und auf eine mögliche Gefahr für das allgemeine Wohlbefinden, bei einer Ausbreitung des Virus aus dem Schlachthofbereich in die weitere Umgebung.

Der Konflikt zwischen Schlachthofbetreiber und Politik beschränkt sich auf Verteilung und Erstattung von entstandenen Kosten.

Das Schwein selber ist dabei degradiert vom Tier zum Produkt. Eingespannt und ausgeliefert in einem auf maximalen Profit ausgelegten Produktionsprozess.

Ein Prozess, der auf Hochglanzbildern auf der eigenen Website von Tönnies anschaulich dargestellt wird. Betäubung und Tötung bleiben außen vor. Obwohl innerhalb des Schlachthofes sehr wohl mit Kameras überwacht, gelangen Aufnahmen aus dem Betäubungsprozess nicht an die Öffentlichkeit.

Aus gutem Grunde, die Betäubung von 40 Millionen Schweinen bundesweit und 36.000 Schweinen pro Tag bei Tönnies wird von Tierschützern und Wissenschaftlern stark kritisiert. Das Landwirtschaftsministerium NRW plant eine Initiative in der EU-Ratspräsidentschaft gerade diese Betäubungspraxis stärker zu kontrollieren bzw. ihre Genehmigung zu ändern.

Folgendes Video ist nicht bei Tönnies entstanden, zeigt allerdings die selben Gerätschaften und den gleichen Ablauf einer Betäubung von Schweinen mit CO2-Gas.

 

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Foto: © davit85, AdobeStock

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