Corona-Auswirkungen auf die Hammer Bauwirtschaft

Die Corona-Pandemie stellt alle Menschen und Unternehmen vor Herausforderungen.

Über die Auswirkungen der Pandemie auf die Bauwirtschaft haben mit dem Hammer Architekten und Vorsitzenden des Bundes deutscher Baumeister Bezirksgruppe Hamm – Viktor Nachtigall – gesprochen:

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Bauwirtschaft aus?

VN: Die Corona-Pandemie wirkt in verschiedenen Wirtschaftsbereichen wie ein Beschleuniger.  Den Onlinehandel hat es beflügelt, Verwaltungsabläufe sind deutlich verlangsamt worden, Lieferketten für Baustoffe sind verlängert und bleiben teilweise sogar aus.

Wie stellt sich die Arbeitskräftesituation dar?

VN: Als Architekt mache ich die Beobachtung, dass die Verknappung von Arbeitskräften zugenommen hat. Dies hat ganz verschiedene Gründe. Durch ständige Veränderungen der Risikozonen kommt es immer wieder dazu, dass Mitarbeiter aus bestimmten Regionen oder EU-Ländern nicht einreisen können, um ihre Aufträge abzuarbeiten. Andererseits werden auch Baustellenabläufe notwendig die für einen besseren Abstand sorgen. Anders gesagt: enges Zusammenarbeiten verschiedene Firmen auf kleinstem Raum sind so nicht mehr möglich, dadurch verlangsamen sich Prozessabläufe an Baustellen unweigerlich.

Wie stellt sich die Digitalisierung im Planungsalltag dar?

VN: Die Digitalisierung gewinnt einen größeren Stellenwert wobei sie nicht direkt zur Beschleunigung beiträgt denn viele Gewöhnungsprozesse, die teilweise auch als Hürde wahrgenommen werden bremsen uns zusätzlich. An der Baustelle selber gibt es natürlich kein Home-Office, aber im Bereich der Verwaltung und der Planungsbüros ist Home-Office immer dann ein Hemmschuh, wenn die physikalische Akte im Büro bzw. bei der Behörde liegt und ein digitaler Zugriff nicht möglich ist.

Die Auswirkungen der Pandemie machen natürlich auch nicht halt vor Verwaltungsabläufen. Es gibt z. B. keine freien Sprechzeiten, sondern nur noch Terminvereinbarungen. Teilweise befinden sich Mitarbeiter im Home-Office. Eine digitale Durchgängigkeit ist hier noch lange nicht gegeben, gewohnte Sitzungen werden digitalisiert – auch dies muss erst miteinander eingeübt werden. Meine Erfahrung ist, dass die Schwierigkeiten auf beiden Seiten liegen. Es gibt auch Architekturbüros mit einem geringen Digitalisierungsgrad. Diese Schwierigkeiten tauchen eben auch bei verschiedenen Bauämtern auf. Mit dem Bauamt der Stadt Hamm haben wir bereits gute Erfahrungen mit digital Meetings machen können. Dies gilt aber noch lange nicht für alle Nachbargemeinden.

Beeinflusst die Pandemie die Auftragslage Baubranche?

VN: Als Vorsitzender des Bundes deutscher Baumeister hier in Hamm stelle ich für unseren Verband fest, dass die Ingenieurbüros und Architekturbüros zurzeit gut ausgelastet sind, aber dass gleichzeitig Mehraufwand notwendig ist, um die anfallenden Arbeiten zu erledigen. Positiv festhalten möchte ich, dass die Bauschaffenden sich schon immer als eine große Familie verstanden haben und dass wir es in Hamm gewohnt sind, miteinander zu arbeiten und anfallende Probleme fachlich und pragmatisch zu lösen.

Können Sie bereits veränderte Anforderungen an Bauprojekte erkennen?

VN: Die ersten Monate der Pandemie sind ausgewertet und wir stellen fest, dass sich die Anforderungen an Bauprojekte bereits jetzt verändern. Wir benötigen andere Grundrisse durch zunehmende Home-Office-Anforderungen, wir haben neue Anforderungen in Bezug auf Hygiene und Standards und wir beobachten auch veränderte Anforderungen der Kunden und Nutzer.

Die Bauschaffenden haben die Menschen begleitet von der Anforderung eine Höhle bis zu den heutigen Anforderungen eines komplexen Wohnhauses.

Klimafreundliches und CO2-sensibles Bauen gewinnt immer mehr an Bedeutung und die Verwaltung die Handwerker und die Planer.

Alleine in Nordrhein-Westfalen benötigt in den nächsten Jahren jährlich 80.000 neue Wohneinheiten. Wir brauchen in dieser Branche viele Handwerker, gute Verwaltungsentscheidungen und clevere innovative Baukonzepte von Planern. Der BDB deckt den gesamten Planernereich für Immobilien ab, wir bilden uns fort und stellen uns ständig auf neue Bauprozesse und Bauweisen ein. Wir sind ein starker Motor in der Wirtschaft und werden in der Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Einsparung unserer Gesellschaft leisten.

Nichts ist beständiger als der Wandel und diesen gestalten wir.

Viktor Nachtigall, vielen Dank für das Gespräch.

 

Viktor Nachtigall

Viktor Nachtigall ist seit über 20 Jahren freischaffender Architekt in Hamm, er plant Wohn- und Pflege-Immobilien und ist auch im Gewerbebau zu Hause. Er ist erster Vorsitzender im Bund deutscher Baumeister Bezirksgruppe Hamm und Mitglied in der Vertreterversammlung der Architektenkammer NRW. Darüber hinaus ist er Mitbegründer des Vereins für neue Wohnformen in Hamm. Er ist ein Kind der Stadt Hamm und lebt hier mit seiner Familie. Wenn er keine Häuser plant, läuft er gerne durch die Landschaft oder reist durch deutsche Städte.

@ www.viktor-nachtigall.de
@ www.baumeister-online.de

 

Foto © Viktor Nachtigall

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