Autismus-Verdacht in der Fleischindustrie? – Tönnies beantragt Erstattung der Lohnkosten

Ein Kommentar von Wolfgang Große-Westermann

Die Praktiken und Mechanismen der Fleischindustrie vollziehen sich weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der normale Bürger sieht bestenfalls die Mauern eines Schlachthofes, oder Transporte von Tieren die dort hin führen. Lediglich das Corona-Virus hat ein wenig Licht in das Dunkel gebracht.

Unzumutbarer Umgang mit Mensch und Tier entziehen sich jeglicher Beobachtung von außerhalb der Mauern. Etwas im Prinzip unnormales und verwerfliches mutiert im Innern der Schlachthöfe zur Normalität. Der Sinn für eine verträgliche Realität scheint dabei verloren gegangen zu sein. Der kranke Riese Fleischindustrie zeigt nun auch autistische Züge.


Der Schlachtbetrieb Tönnies und angegliederte Subunternehmer haben beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Anträge auf Erstattung von Lohnkosten durch das Land Nordrhein-Westfalen gestellt. Hintergrund sind die Quarantäne-Maßnahmen nach den Corona-Infektionen mit der anschließenden Schließung des Werkes in Rheda-Wiedenbrück.

In einem Gespräch mit dpa erklärte ein Sprecher des LWL, dass diese Anträge bearbeitet werden. Wann und um welche Summen es sich handelt wolle man nicht sagen.

Das Infektionsschutzgesetz sieht die Erstattung vor, wenn Behörden einen Betrieb schließen und/oder Quarantäne anordnen. Die Regelung besagt, dass die Löhne vorerst von dem Unternehmen bezahlt werden, um dann im Zeitraum bis zu einem Jahr zurückerstattet werden können.

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hält diesen gesetzlichen Anspruch auch für Tönnies und seine Subunternehmer möglich. Er äußert sich allerdings eindeutig: „Ich würde mir genau überlegen, was ich den Bürgern von Nordrhein-Westfalen noch alles zumuten will.“

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) spricht ähnliche Worte: „Durch die Vorfälle ist eine ganze Region in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Ärger der Bürger wird durch dieses jetzige Vorgehen sicherlich nicht kleiner werden.“

Sven-Georg Adenauer (CDU), Landrat des Kreise Gütersloh, sagte dazu: „Rechtlich hat er natürlich diese Möglichkeit. Moralisch sollte er sich gut überlegen, ob er das macht.“

 

Foto: © industrieblick, AdobeStock

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